betrunken

Ich trinke viel zu viel. Heute schon zwei Gläser. Und es treibt mich immer mehr in die Depression.

Ich kann auch ohne. So ist es nicht, aber mit ist alles vermeintlich viel einfacher. Ein Teufelskreis.

Ich denke aktuell dran, mich mal wieder in eine Klinik einweisen zu lassen…

betrunken

Verlust

Heute ist wirklich ein schwieriger Tag. So viele Verluste. Vorgestern ist mir ein Handy kaputt gegangen. Einfach so. Ich wollte es wie üblich per Fingersensorabdruck entsperren. Mein Display zeigte mir noch Meldungen über eingegangene WhatsApp – Nachrichten an. Und dann wurde das Display schwarz und nichts ging mehr. Leider habe ich noch ungesicherte Daten darauf, die mir wichtig sind. Es ist fast wie mit dem Tod, erst danach spürt man den vollen Wert des Verlustes.

Mein Mann würde eine Datenrettung versuchen wollen. Unmöglich. Ich muss mich nun entscheiden zwischen Daten und „funktionierender“ Ehe. Wenn er sähe, was alles zwischen mir und dem Kita-Vater ablief, auch wenn es nur virtuell ist, es wäre das Ende unserer Ehe.

So habe ich mich nun online auf die Suche begeben, extern jemanden zu finden. Also sprich nach Reperaturservices, die diesen Service ebenfalls anbieten, gesucht. Hab erstmal zwei Anfragen versandt.

Es gibt eine einzige Sprachnachricht meines Vaters und die möchte ich unbedingt wieder haben. Aber auch den Chatverlauf hätte ich gerne. Wir haben uns nicht oft gesagt, dass wir uns lieb haben, wenn auch immer gespürt, aber es gibt diesen einen Dialog. Und Fotos. Was wäre ich traurig, dass alles für immer zu verlieren.

Ich glaube alles in allem trägt zu meiner heutigen unendlichen Traurigkeit bei.

Hinzukommt, dass ich vier tolle Kolleginnen verloren habe. Alle vier schwanger und ich nach so vielen Jahren immer noch nicht. Tada, da sind sie wieder, die verhassten Tränen und der fette Kloß im Hals!

Verlust

Danksagung

Ich schreibe gerade die Danksagungen. Schöne Karten. Verlassenes Ruderboot ohne Ruder, auf einem einsamen See, mit einem einzigen kahlen Baum.

Thema der Beerdigung war ja – Lass nun ruhig los das Ruder (Reinhard Mey).

Dabei läuft Musik. Ganz unterschiedliche Musik. Und da ist sie wieder. Diese unheimliche Einsamkeit in mir. Ich fühle mich so allein. So viele Menschen die mich scheinbar mögen und doch spüre ich eine so enorme Einsamkeit, die so sehr schmerzt, dass ich denke, nur der Tod könnte das beseitigen.

Termin bei der Therapeutin steht für Donnerstag.

Niemals hätte ich gedacht, dass der Tod meines Vaters mir so sehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Nun merke ich, wie ähnlich wir uns doch sind. Und wie sehr die Sehnsucht, wonach auch immer, so groß ist.

Danksagung

Beerdigung

Gestern war es soweit.

Der Tag begann mit einem Drama. Ich holte den Grabstrauß ab. Und es war überhaupt nicht der Strauß, den ich bestellt habe. Weder die Blumen noch die Farben stimmten. Für mich eine absolute Katastrophe. Die ersten Tränen rollten… Zum Glück stimmte der Spruch und Name auf dem Band. Aber leider passte die Farbe des Bandes überhaupt nicht zu den Farben der Blumen. Ich war mega enttäuscht. Leider blieb mir keine Zeit, irgendwelche Änderungen vornehmen zu lassen. Ich tröstete mich damit, dass ich bei meinem nächsten Friedhofsbesuch einen tollen Strauß mitbringe.

Dann kamen mein Mann und ich beim Friedhof an. Durch die große Baustelle war die Zufahrt gesperrt und ich musste etwas weiter weg parken. Da sah ich ein Taxi kommen, mit meiner Cousine drin. Warum auch immer, wir führen seit Jahren ein Konkurrenzkampf. Sie will mich immer von meinem Platz der ältesten Schwester verdrängen und ich halte immer dagegen. Jedenfalls, was soll ich sagen, ist es nun mal so, dass meine Schwester und ich 9:30 Uhr vor Ort sein sollten, damit wir noch „schmücken“ können, damit die Feier um 10:00 Uhr beginnen kann. Sie war vor halb zehn da. Irgendwie nervte mich das tierisch und noch schlimmer empfand ich es, dass ich in die Kapelle kam und ihr Blumengesteck direkt neben der Urne meines Vaters stand. Mein Mann war toll und beruhigte mich. So stellte ich es dann einfach um. Nach und nach kamen die Trauergäste an, der Bestatter brachte mir einen Strauß/Kranz nach dem anderen und ich dekorierte nach „Bezug“. Kinder (6 an der Zahl) am nähesten dran, dann Schwägerin mit der er zusammen lebte und dann die Nichte. Sorry, diese „verständliche“ Rache gab mir Genugtuung.

Dann begann die Zeremonie. Ich hatte große, große Angst davor. Wirklich, ganz, ganz doll. Zwei Tage zuvor hatte ich die Pfarrerin kennengelernt. Und die war mir und auch meiner Schwester zuwider. Ich empfand das Gespräch sehr oft als sehr unangenehm, unprofessionell. Sie las ihre Nachrichten, lästerte mit uns über ihren „unverschämten“ Kollegen. Dann teilte sie uns beim Abfrage der Adresse meines Vaters mit, dass eigentlich gar nicht sie für uns zuständig ist, sondern der bereits genannte Kollege. Dann gab es Verständigungsprobleme. Ich merkte ziemlich schnell, dass sie mich sinngemäß nicht sofort verstand. Sie benutze die selben Worte, gab dem Satz aber eine andere Bedeutung. Ich hatte wirklich Bauchschmerzen bei der ganzen Sache.

Sie machte es widererwarten toll. Eine wirklich schöne Rede. Sehr würdevoll und ich war sehr dankbar dafür. Rotz und Wasser habe ich geheult. Ich hoffe, dass es meinem Papa gefallen hätte. Bestimmt. Er weiß, wie viel Liebe drin steckt. Wären der Zeremonie schaute ich mir noch mal die Blumen an. Unter anderem auch das Band meiner Cousine. Ihr Name war falsch geschrieben.

Mir passierte ein Fauxpas. Die Friedhofsfrau/Urnenträgerin ließ die Urne ein. Dann nahm sie mir die Blumen aus der Hand und legte sie ans Grab. Ich dachte, dass wäre das Zeichen, dass ich nun Sand reinwerfen darf. Ähm. Nee. Die Pfarrerin rief meinen Namen nach dem ersten Wurf. Tja, ich bin und bleibe sein erstes Kind, dass ihm begegnet, sowohl lebendig als auch tot. Das freut mich sehr.

Dann gab es einen sehr schönen Moment für mich, der sehr viel Menschlichkeit beinhaltete. Ich war auf dem Weg zur Toilette. Da begegnete ich noch einmal der Urnenträgerin und lächelte ihr zu. Sie vermutete, ich wollte was von ihr, doch ich ging einfach weiter. „Ach, Sie wollen gar nichts von mir“, sagte sie. Ich antwortete: „Ich möchte nur zur Toilette.“ Sie sagte, ich müsse mich nicht rechtfertigen, es hätte halt nur so ausgesehen als ob. „Ich wollte Ihnen nur nett zu lächeln“, erwiderte ich. „Das haben Sie und es sieht gut aus.“ – „Danke, dass ist aber lieb.“ – „Wirklich, Sie sehen sehr gut aus, wenn Sie lächeln, sehr hübsch.“ Und ich habe mich wirklich von Herzen darüber gefreut und mich auch dementsprechend bedankt.

Ich brachte meinen Mann nach Hause und fuhr zu meiner Schwester, wo die Trauerfeier stattfinden sollte. Freitag um eins, macht jeder seins – endlich hat der Spruch für mich einen Sinn. Es war voll auf den Straßen und ich stand ewig lange im Stau. Aber ich war „gutgelaunt“. Endlich am Ziel angekommen, empfangen wir dann auch noch die restlichen Gäste zusammen, alles enge Familienmitglieder. Alle Geschwister und zwei Cousinen plus deren Anhang.

Wir hatten eine wundervolle Feier. Genau so hätte mein Vater sich das gewünscht. Ich war glücklich und dankbar, auch darüber, dass meine Cousine mir aus dem Weg ging. Ich hielt eine emotionale, spontane Eröffnungsrede. Wir aßen Kuchen und tranken (jeder was er wollte). Ich begann mit Bailys. Es war schön, ich wurde locker. Danach eröffneten meine Schwester und ich den Pool, indem wir völlig bekleidet gemeinsam in den Pool eintauchten. Der Sohn meiner, nun jetzt öfter erwähnten Cousine, versuchte uns den Auftritt zu „versauen“, er sprang als erster hinein als er unser Vorhaben mitbekam, aber wir ließen uns nicht ärgern. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm. Und einer nach dem anderen sprang mal mehr mal weniger freiwillig in den Pool. Wir hatten so viel Spaß. Ich zog mich dann um und begann meine Kohlrouladen zu ende zu kochen. Dabei bildete sich eine kleine Gruppe in der Küche und wir tranken ein Gläschen nach dem anderen. Ich hatte ordentlich einen zu sitzen! Das Essen wurde mega lecker. Ich war stolz wie Bolle und auch das Gulasch war super. Die beiden Lieblingsessen unseres Vaters. Dann gab es noch ein bisschen Salat und Grillzeug. Abends ein Lagerfeuer.

Am Abend spürte ich, dass ich traurig wurde. Ich schaute mir das aufgehängte Foto an und mir kamen die Tränen. Leonard Cohen mit Halleluja brachten mich in ein emotionales Tief und ich hatte einen schlimmen, schlimmen Weinkrampf. Mein Bruder und meine Schwester trösteten mich herzlich.

Später tanzten wir am Lagerfeuer, tranken und lachten. Meine Lieblingscousine aus Amerika konnte aufgrund der ganzen Coronabestimmungen leider nicht kommen. Darüber waren wir alle sehr traurig. Aber wozu gibt es Videotelefonie?

Mein krönender Abschluss des ganzen war die Nacht auf der Terrasse. Dort schlief ich erschöpft und sehr zufrieden ein.

Beerdigung

Angst

Am kommenden Freitag wird die Beerdigung meines Vaters stattfinden.

Ich habe solch eine Angst vor diesem Tag. Wenn ich daran denke, breche ich immer wieder in Tränen aus. Diese Beerdigung macht alles so endgültig. Irgendwie will ich mich nicht verabschieden, ich bin nicht bereit dazu. Und ich habe Angst, dass es nicht so wird, wie wir uns das wünschen.

Ich habe furchtbare Angst.

Angst

Wir beäugen uns gegenseitig

Gestern traf ich mich mit befreundeten Kita-Eltern aus der ehemaligen Kita im Park. Es waren auch noch andere bekannte Eltern da.

DER Kita-Vater war mit seinen Kindern ebenfalls dabei. Was soll ich sagen? Ich kann einfach nicht anders. Und es war wieder so ein intensives Flirten. Wir waren auch wieder bei ihm zu Hause, Pinkelpause. Vor mir war noch ein anderes Kind dran, dass mal groß musste und zwar ziemlich lange. Wie wir uns anschmachten. Es ist toll. Ich mag das so gerne. Ich konnte ihm sagen, dass ich ihn sexy finde. Sein verschämtes Wegschauen. Dieser Typ ist so heiß!

Als wir wieder unten waren, saßen wir auf einer Bank und guckten uns wieder an und ich sagte: „Ich würde so gerne wissen, was du denkst, wenn du mich so anguckst. Ich werde aus deinen Blicken nicht schlau.“

„Es ist viel Phantasie dabei. Wir beäugen uns gegenseitig. Ich überlege, was du denkst und wer du bist. Du bist so anders als alle anderen Menschen die ich kenne.“ Seine Antwort verblüffte mich. Dann kam jemand dazu und wir sprachen über anderes. Aber ich begann zu grübeln. Später als wir wieder allein waren, redeten wir weiter.

Es war so interessant, intensiv, aufschlussreich. Ich fragte ihn in diesem Zusammenhang, ob seine Frage nach meinem Wohlbefinden eine Freundlichkeitsfloskel ist oder ob er an eine ehrliche Antwort interessiert ist. Von Menschen die er mag, möchte er das wirklich wissen und die Frage zeigt somit ernsthaftes Interesse.

Er wirkte überrascht, als ich ihm sagte, dass ich nicht das Gefühl hätte, dass er Interesse an mir hat. Was daran liegt, dass er mir oft nicht auf Nachrichten antwortet. Da erwähnte er zum 100.000 Mal, dass er familiär gebunden ist. Wie viel er zu tun hat. Und ich unterbrach ihn und erklärte, dass ich nicht den sexuellen Aspekt meine, sondern den freundschaftlichen. Das ich eher das Gefühl habe, nervig zu sein, zu viel zu sein. Was an dieser einen Nachricht liegt, die er mir einmal schrieb. Er unterbrach mich. „Ich freue mich immer dich zu sehen.“

Dann kamen die Kinder wieder dazu. Und kurz darauf auch seine Frau von der Arbeit und wir verabschiedeten uns.

Es arbeitet immer noch so lange in mir nach. Vor allem die Frage danach, wer ich bin. Und so schrieb ich ihm heute eine ewig lange Mail, mit konfusen Antworten.

Ich bin so durcheinander!

Wir beäugen uns gegenseitig

Dunkel

Schwierig. Alles erscheint mir derzeit so schwierig. Alles ist mir zu viel.

Im März ist mein Vater verstorben und nun ist im Juni endlich die Beerdigung. Und ich habe so furchtbare Angst vor diesem Tag.

Und meine kranke Schwester dreht schon wieder am Rad. Ich wünschte mir, ich könnte besser Abstand halten.

Ich weiß gar nicht, ob ich jemals schrieb, dass sie immer und immer wieder gesundheitliche Probleme hat. Im Dezember vergangenen Jahres musste ihr aufgrund von starker Durchblutungsstörungen der kleine Zeh des rechten Fußes abgenommen werden. Letzte Woche drohte der Verlust des nächsten Zehs. Diesmal wartete sie glücklicherweise nicht so lang, bis der Zeh total schwarz war.

Sie hat einen neuen Freund. Wieder ein Typ der keinen gültigen Aufenthaltstitel hat (sie war bereits zweimal mit „so“ jemanden verheiratet. Naja was soll ich sagen? Diesmal ist er die ganz große Liebe. Seit gut einem Monat kennen sie sich, von Instagram. Nun wohnt er schon bei ihnen. Sie lässt ihre Kinder (15 und 0,7) mit dem allein und vertraut ihm blind. Nun hat sie eine Verfügung verfasst, dass wenn sie stirbt, der Typ die Kinder bekommt. 🤦‍♀️😭

So und nun zu mir. Ich bin immer noch im großen Gefühlschaos. Obwohl, eigentlich ist da nichts chaotisch. Es ist viel. Nach wie vor bin ich verliebt in den Kita-Vater, bis auf flirten ist er immer noch unerreichbar. Obwohl wir uns doch auch viel näher gekommen sind.

In meiner Ehe kriselt es. Und es bröselt immer mehr. Unabhängig von der Geschichte mit dem anderen. Sonntag hat mein Mann mich so sehr zum weinen gebracht. Wer mich kennt, der weiß, wenn ich weine, dann ist es „schlimm“.

Wir hatten mal wieder seit Ewigkeiten Sex. Und ich war so frei und entspannt. Danach sagte er mir, dass die Position für ihn unbequem war. Auf meine Frage, warum er nichts anders machte oder nichts sagte, gab er mir die Schuld, weil ich dann genervt wäre. What? Fuck you! Es hat mich so verletzt, weil ich zum ersten Mal seit langer Zeit genoss und dann verpasste er mir so eine Klatsche.

Gestern hatten wir 15jähriges Jubiläum. Hhmmm. Nichts. Irgendwie war ich enttäuscht.

Heute Abend haben wir noch nicht viel geredet. Grund: Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Und zwar nicht das, was er wollte. Fuck you II! Seit Jahren will ich mir ein Trekking-Rad mit mehr Gängen als drei kaufen. Es gab eins im Angebot für 400 Euro, das mir gefiel. Er: „Dann musst du es reparieren… lassen!“

Tja. Nun sitzt jeder in seinem Zimmer und schmollt vor sich hin.

Arbeit: Ich habe meine Zusatzausbildung zur „Integrationserzieherin“ abgeschlossen. Aktuell kann ich mich nicht darüber freuen. Irgendwie ist mir alles egal. Meine Therapeutin sagt, ich bin depressiv… Jaaaaaahaaaaa!

Dunkel

Papa

Ende Februar sagtest du zu mir: „Ich will 80 Jahre alt werden, wie mein Opa.“ Darauf sagte ich: „Komm, dass sind nur noch 14 Jahre. Schaffste locker.“

Wer hätte wissen können, dass es 14 Tage werden. Ach Papa. Ich habe dir einen schöneren Tod gewünscht. Dein ganzes Leben war so scheiße und dann stirbst du auf dem Klo. Egal welche Diskrepanzen wir auch hatten…

DU HAST DAS NICHT VERDIENT.

Tröstlich für mich ist – dafür bin ich dir so dankbar – ich bin dein erstes Kind, das du sahst und das letzte. Danke für den Pudding. Er trug meinen Geburtstag.

Die Polizei rief mich gestern erneut an um mir mitzuteilen, dass du obduziert wurdest. Innere Blutung im Magen-Darm-Trakt. Du wurdest zur Bestattung freigegeben und auch die Wohnung. Ich durfte mir den Schlüssel abholen. Der Weg zur Polizei war schlimm. Ich hatte beim Autofahren eine Panikattacke. Davor habe ich eine Zeit gebraucht um den Mut zu finden, den endgültigen Schritt zu gehen.

Als ich zur Wohnung fuhr, erfasste mich eine unglaubliche innere Ruhe. Dabei riet mir die Polizei davon ab, die Wohnung zu betreten, wenn sie noch nicht sauber gemacht ist. Ich bin so froh auf mein Bauchgefühl gehört zu haben.

Das Durchtrennen des Polizeisiegels war merkwürdig. Aber nachdem ich die Tür öffnete, umhüllte mich wieder diese Ruhe und Kraft. Ich hatte zu keiner Zeit Angst. Ich habe mich dir einfach nah gefühlt. Ja, ich habe alles gesehen. Deine Körperausscheidungen, das Blut. Aber du bist nicht in Scheiße gestorben. Und darüber freue ich mich so sehr. Für dich. Die Wohnung ist schön. Papa. Alles ergibt einen Sinn. Du hattest keinen schönen Tod. Auf dem Klo zusammengebrochen. Vermutlich lagst du da ganze zwei Tage allein. Leider haben wir kein genaues Datum erhalten. Angeblich kann das nicht bestimmt werden. Das tut mir sehr leid.

Ich bin froh darüber, dass ich mich „getraut“ habe, die Wohnung zu betreten. Ich saß allein und in Gedanken bei dir, mit einem Bierchen auf der Couch. J. und ich haben die Wohnung gesäubert. Ich möchte dir sagen, zu keiner Zeit hatte ich Ekel. Im Gegenteil. Ich wollte nicht, dass jemand anderes das macht. Du bist und bleibst mein Papa.

Ich hoffe, dass dir deine Beerdigung gefallen wird. Wir geben uns die größte Mühe… Wenigstens dein allerletzter Abgang soll wundervoll werden. Das hast du verdient! Sei aber bitte nicht traurig, dass meine Mutter nicht kommen wird. Sie hat deine Liebe, auch nach 30 Jahren Trennung nicht verdient.

Hab eine gute Reise. Sei frei!

Papa